Begehrte Wohnungen im Trafoturm

Sinsheim.  Hilfsbereit zeigte sich die Stadt dieses Jahr bei der Pflege der Artenschutztürme des Naturschutzbunds Sinsheim. In den Vorjahren half der Stromversorger EnBW mit einem Hubsteiger bei der Reinigung der an alten Trafotürmen hoch angebrachten Nistkästen. Nachdem die Kooperation wegen Personalmangels nicht stattfinden konnte, war Oberbürgermeister Jörg Albrecht auf Anfrage sofort bereit, mit einem Hubsteiger der Stadtwerke auszuhelfen.

Begonnen wurde mit der Reinigungsaktion am frühen Morgen beim Jugendhaus. Und gleich im ersten Kasten gab es eine Überraschung: Jörg Fürstenberger vom Nabu Sinsheim fand ein verlassenes Meisennest mit zwölf winzigen Eiern. Über die Gründe kann nur spekuliert werden.

Sehr gut möglich, dass den Meiseneltern das plötzlich noch mal so nasse und kalte Frühjahr als nicht passend für die Aufzucht von Jungen erschien und sie das Nest verlassen haben. Auch eine Vertreibung durch eine stärkere Vogelart wäre denkbar, so mutmaßten die Vogelfreunde.

Insgesamt waren nahezu alle untersuchten Nistkästen belegt, ein Beleg für den hohen Nutzwert der Artenschutztürme. Besonders erfreulich war der Einzug von Mauerseglern am Trafoturm in der Gartenstadt. Mauersegler weisen deutliche Bestandsrückgänge aus und werden in der Vorwarnliste der gefährdeten Arten geführt. Sie nisten vorwiegend an hohen Gebäuden und die Brutplätze gehen wegen Gebäudesanierungen mehr und mehr verloren. Da sie gerne in großen Kolonien brüten war der Artenschutzturm im Sommer ständig von den schnellen Dauerfliegern, die sogar im Flug schlafen, umschwärmt. Der Nabu Sinsheim hofft, auch in den anderen Türmen Kolonien etablieren zu können und ist gespannt, welche Entwicklung das nächste Frühjahr bringt, wenn die Zugvögel zurückkehren.

Sinsheimer Nachrichten vom Dienstag, 3. Januar 2017, Seite 3, (A. Wirtherle)

Reinigung der Fledermauskästen

Fledermäuse, Siebenschläfer und Waldbaumläufer

Aufmerksame Spaziergänger haben sie sicher längst entdeckt: Rund um die Burg Steinsberg sind viele hohe Bäume ausgestattet mit schwarzen Kästen, zu flach für Vogelbrut:  Fledermauskästen.

Zur Reinigung dieser Quartiere arbeiteten jetzt Fachleute der Stadtverwaltung Hand in Hand mit dem Nabu Sinsheim, um dabei  auch eine Bestandsaufnahme der Belegung durchzuführen.

Nur wenige Kästen boten die typischen Hinweise auf Fledermäuse: mäusekotähnliche Hinterlassenschaften, die aber beim Zerreiben trocken zerfallen. Da die Quartiere erst vor zwei Jahren angebracht wurden war dies keine Überraschung, es dauert oft mehrerer Jahre bis die sehr standortreuen Fledermäuse neue Kästen akzeptieren. Gut möglich, dass  es in den Spalten der Burgmauern auch einige andere attraktive Unterschlupfmöglichkeiten gibt, die aber im Zuge der Mauerwerksanierung abnehmen werden.

Einige Hinweise gab es auf Belegung der Kästen durch Siebenschläfer und auch durch Waldbaumläufer. Diese kleinen Vögel  laufen spiralförmig die Stämme hoch und können mit ihrem langen, gebogenen Schnabel Insekten unter der Rinde hervorziehen. Während Waldbaumläufer das ganze Jahr in unseren Wäldern zu finden sind und die Kästen vermutlich im Winter als Unterschlupf nutzen,  ziehen sich Fledermäuse jetzt in ihre Winterquartiere, feuchte frostfreie Keller und Höhlen, zurück. Die  lautlosen Nachtjäger können wir also erst wieder im Frühjahr beobachten.