Die Feuersalamander am Ursenbach

Die sympathischen Lurche unter den Amphibien

Seit einigen Jahren werden die Salamander am Ursenbach von Naturschützern vom NABU Sinsheim, der BUND Ortsgruppe Daisbach und aktiven Salamanderfreunden bei ihren Wanderungen „betreut“. Aus dem Laubmischwald heraus streben sie im Frühjahr dem Ursenbach zu, um dort im seichten Uferbereich ihre Larven im Wasser abzulegen. In derselben Nacht oder je nach Witterung auch später machen sie sich danach wieder auf den Weg zurück in ihren Wald. Wie jedes Jahr und das schon seit Jahrzehnten.

 

Bei diesem jährlichen großen Naturschauspiel ist die Verbindungsstraße zwischen Hoffenheim und Daisbach jedoch die Hauptgefahr für die Salamander. Jedes Jahr werden Dutzende dieser sympathischen Lurche Opfer des Autoverkehrs, und dies obwohl jedes Jahr temporäre Absperrungen angebracht werden. Die von der Stadt Sinsheim extra zur Amphibienwanderungszeit (Ende Februar bis April) bereitgestellten Absperrungen, werden je nach Witterung aktiviert und zeigen ein absolutes Kfz Durchfahrtsverbot an. Somit sollten also bei regenfeuchten Wetter und Temperaturen ab 8 Grad keine Autos auf dem Weg zwischen Hoffenheim und Daisbach vorzufinden sein. Doch die vielen toten, meist trächtigen Salamanderweibchen erzählen eine andere Geschichte; nämlich dass die Absperrungen regelmäßig missachtet und umfahren werden.

 

Die Salamanderfreunde haben deshalb in den vergangenen Jahren immer wieder die Absperrungen kontrolliert und wenn nötig wieder an ihren Platz gebracht. Zudem wurden die durchfahrenden Autofahrer aufgeklärt, um so die trächtigen Salamanderweibchen vor dem Überfahren zu bewahren. Dieses Jahr hatte man sich entschlossen bereits im Vorfeld der eigentlichen Amphibienwanderung mit einer intensiveren und etappenweisen Informations- und Aufklärungskampagne zu starten. Beginnend mit einem Informationsstand auf dem Sinsheimer Burgplatz während des Wochenmarktes wurden zahlreichen interessierten Besuchern die Salamander und andere Amphibien, sowie deren Nöte nahegebracht. Anhand der Publikumsreaktionen am Info-Stand wurde schnell klar: Salamander sind unheimlich sympathische Tiere, denen man gerne helfen will. Gerade die Älteren wussten Geschichten mit „Lurchi“ aus ihrer Kinderzeit zu erzählen, und die Kinder waren fasziniert von den Salamanderbildern auf dem Informationsmaterial. Einen lebenden Salamander gesehen, hatten in den letzten Jahren nur die wenigsten.

 

Die Kampagne wurde mit Info-Plakaten über die Salamander-Schutzmaßnahmen während der Wanderzeit an zahlreichen markanten Punkten, sowie Einkaufsläden in Hoffenheim und Daisbach weitergeführt. Für interessierte Naturfreunde veranstaltete die Gruppe Ende Februar in einem Gasthaus direkt am Amphibienwandergebiet einen Informationsabend, der sehr gut besucht war. Die Gruppe der Salamanderfreunde berichtete sachkundig und kurzweilig vom Leben der großen Lurche und den Schutzmaßnahmen der vergangenen Jahre. Im Verlauf des sich anschließenden regen Informationsaustauschs, zeigten sich zahlreiche Besucher*innen sehr motiviert, die abendlichen und nächtlichen Schutzaktionen zu begleiten und zu unterstützen.

 

Die folgenden „betreuten Salamanderwanderungen“ waren ein voller Erfolg. Weit über 200 Salamander wurde gezählt, viele auf dem Weg zum Bach, etliche konnten beim Larven ablegen beobachtet werden, andere Salamanderdamen waren schon wieder auf dem Rückweg in den Wald. Bei guter Salamanderwitterung konnten man auch viele Männchen bei der Regenwurmjagd beobachten. Bis zu 10 aktive Menschen waren abends und nachts in gut koordinierter Abstimmung mit Stirn- und Taschenlampen unterwegs. Sie stellten und entfernten die Sperrungen am Abend und frühen Morgen oder achteten auf die Einhaltung des Durchfahrverbots. Auch wenn immer wieder ein paar uneinsichtige Autofahrer die Sperrung ignorierten und dennoch weiterfuhren, konnte in ruhigen Gesprächen zumeist für Verständnis geworben werden. Erwachsene wie Kinder gerieten bei jedem sympathischen Lurchi immer wieder in Verzücken: es sind einfach wunderschöne Tiere. Für einige Kinder war es der erste Salamander überhaupt. Als Resümee lässt sich feststellen: Alle Teilnehmer genossen die nächtlichen Spaziergänge als ein sehr schönes gemeinsames Erlebnis, bei dem man nicht nur die Salamander kennengelernt hat, sondern auch den Menschen hinter den Taschen- und Stirnlampen begegnen konnte. Der abendliche Salamander-Event war eine spannende Abwechslung im normalen Alltag. An dieser Stelle sei allen Aktiven herzlich für ihren Einsatz gedankt und wir hoffen auf ein Wiedersehn im nächsten Jahr!

 

Übrigens der Salamander ist unser größter Lurch und hat in Deutschland sein Hauptverbreitungsgebiet. Deshalb gehört er zu den Arten für die Deutschland eine besondere Verantwortung trägt. Der Laumischwald an der Kalkofenhütte und der Ursenbach sind für den Erhalt dieser großen Salamanderpopulation sehr wichtig. Deshalb plädieren die aktiven Salamanderschützer für eine festinstallierte Schranke. Diese kann während der Wanderzeit wesentlich flexibler gehandhabt werden und bietet einen besseren Schutz, damit der unglaublich sympathische und schöne Lurch im Sinsheimer Kraichgau auch weiterhin ein Hauptverbreitungsgebiet hat.

 

(aah/JR, 04/19)

Feuersalamander-Phänomen am Ursenbach

Foto: A.Stark
Foto: A.Stark

Feuersalamander im Kraichgau

Autofahrer bitte aufgepasst!

Fotos: Günther Rasig, Feuersalamander zwischen  Hoffenheim und Daisbach

 Der Feuersalamander gilt als „Besonders geschützt“ und darf nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Bestandsgefährdungen entstehen in der Hauptsache durch Eingriffe in Larvengewässer wie Entwässerung oder Fremdstoffeinträge und ihre Verbauung sowie durch häufiges Befahren von Wegen und Straßen am Waldrand und in den Wäldern. Die langsame Fortbewegungsweise der Tiere und die Unachtsamkeit vieler Autofahrer lassen den Feuersalamander örtlich zu einem häufigen Verkehrsopfer werden. So auch auf den Gemarkungen von Sinsheim und den umliegenden Gemeinden wie zwischen Hoffenheim und Daisbach (und zwischen Neckarbischofsheim und Hasselbach.) Dort befinden sich während der Wanderungen der Lurche Straßensperrungen in der Zeit von 19-7 Uhr. Freiwillige aus  Hoffenheim und Daisbach sowie der NABU Sinsheim und BUND Daisbach haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Sperrungen gemeinsam mit der Stadt Sinsheim zu überwachen und die Autofahrer, wenn möglich, aufzuklären.  

Ein Porträt des Feuersalamanders (jeder sieht anders aus, so verschieden wie Fingerabdrücke) findet man unten

 (A.Hoffmann, März 2018)


Lurchi, der Feuersalamander

Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) ist in feuchten Laubmischwäldern mit klaren Quellbächen und Kleingewässern in den Hügel- und Bergregionen von Süd- und Mitteleuropa zuhause. Er hat etliche lokale Namen und je nach Region nennt man ihn auch Erdmolch, Regenmolch, Gelber Schneider oder Regenmännchen. Obwohl er mit einer Größe von bis zu 20 cm und seinen leuchtend gelben Punkten und Linien auf schwarzer glatter Haut sehr auffällig aussieht, ist sein Vorkommen durch seine versteckte Lebensweise vielerorts noch unentdeckt.  Er versteckt sich tagsüber unter Steinen, Nischen, Höhlen oder Baumwurzeln und Totholz. Der Vertreter der Schwanzlurche ist vorwiegend nachtaktiv und kommt in der Dämmerung zur Nahrungssuche heraus. Er ernährt sich von kleinen bis mittelgroßen Schnecken, Käfern und Asseln und Wasserlarven. 

 

Feuersalamander können in der Wildnis bis zu 20 Jahre alt werden. Ihre Geschlechtsreife erlangen sie mit zwei bis vier Jahren. Nach der Paarung trägt das weibliche Tier etwa acht bis neun Monate lang die Embryonen aus. Wenn im Frühling die Temperaturen und die Luftfeuchte steigen, verlassen die trächtigen Weibchen ihr Winterquartier und wandern nachts zu den nahegelegenen Gewässern.  Dort setzt es die kiementragenden Larven in ihren Eihüllen im stilleren Uferbereich ab. Die Eihüllen platzen bei der Geburt auf, die Larven werden in das Wasser entlassen; der Feuersalamander ist somit lebendgebärend. Dieser Vorgang kann mehrere Tage in Anspruch nehmen.

 

Gegen Fressfeinde und Hautparasiten wehrt sich der Feuersalamander durch sein giftiges Sekret, welches er durch die Ohrendrüsen bei Gefahr absondert. Das Sekret führt bei Berührung zu leichtem Brennen, kann allerdings bei empfindlichen Personen zu stärkeren Reaktionen führen.
 (A.Hoffmann, März 2018)