Vortrag "Artenschutz am Haus"

Junge Rauchschwalben   ; Foto: R.Barg
Junge Rauchschwalben ; Foto: R.Barg

Brandschutz ja,  Artenschutz nein?

 

Neues Dach, neue Dämmung? Solche werterhaltenden und klimafreundlichen Maßnahmen sind wichtig. Daran lässt die Referentin Biologin Dr. Marion Zobel  bei ihrem spannenden Artenschutzvortrag im Musiksaal des Wilhelmi-Gymnasiums keinen Zweifel. Dass dabei immer alle Brandschutzbestimmungen eingehalten werden, der Artenschutz aber oft gar keine Rolle spielt, sei hingegen traurig. Und auch gegen das Gesetz. Die Tiere im Umfeld unserer Häuser, sogenannte Kulturfolger, würden dadurch mehr und mehr ihrer Heimat beraubt. Für den NABU Sinsheim Anlass genug, eine Expertin einzuladen um mittels des  Vortrags „Artenschutz bei Baumaßnahmen“ aufzuklären. Denn die tägliche Zerstörung von Fledermaus- und Vogelquartieren passiert meist aus Unwissenheit. Oft wird es noch nicht einmal bemerkt.

 

Einige Fledermausarten leben in engen Spalten, hinter Fassadenverkleidungen oder Wandblechen. Erkennbar nur von Fachleuten, die nach den charakteristischen bräunlichen Verfärbungen um kleine Einflugöffnungen fahnden oder nach dem schwer zu erkennenden trocken-bröseligen Kot der Tiere Ausschau halten. Bleibt das Fledermausvorkommen vor der Renovierung unbemerkt und werden die Tiere gestört, kommen sie oft nicht wieder. Meist gäbe es einfache Lösungen, um dem Artenschutz mehr Raum zu geben. “Sommerquartiere von Fledermäusen können außerhalb der Saison renoviert werden. Mit etwas Geschick kann man ihnen an derselben Stelle wieder ein Spaltenquartier anbieten.“, schlägt die Expertin vor, die ihren Vortrag ganz auf einvernehmliche, machbare Lösungen ausgerichtet hatte und viel Verständnis für die Lage der Handwerker und Hausbesitzer zeigte.

 

Auch Phantasie sei bei Problemen mit dem Artenschutz gefragt, so Dr. Zobel. Sie berichtete von einem Gebäude mit angebrachten Schwalbennisthilfen, das im Frühjahr zügig abgerissen werden sollte. Nach Rücksprache mit der Naturschutzbehörde wurden die Nester beobachtet. Da sie noch von jeweils beiden Elterntieren angeflogen wurden war klar, dass die Eier noch nicht bebrütet werden. Daraufhin wurden nach Einbruch der Dunkelheit die Nisthilfen ans Nachbargebäude versetzt, und tatsächlich, die Schwalben nahmen die kleine Umsiedlung problemlos an.

 

Schwieriger zeigt sich die Lage bei Naturnestern. Während das Entfernen von Amsel- oder Spatzennestern außerhalb der Brutsaison erlaubt ist, sollte man Schwalbennester unbedingt auch im Winter hängen lassen, sie sind streng geschützt. Der Bau neuer Nester nach der Rückkehr im Frühjahr bedeutet für die standorttreuen Vögel viel Stress. Der nötige Lehm ist immer schwerer zu finden und meist reicht die Zeit  dann auch nur für eine Brut. Die Bestände gehen deshalb seit Jahren kontinuierlich zurück. Lässt sich das Entfernen der Nester gar nicht vermeiden, muss man dies selbstverständlich außerhalb der Brutzeit tun, und in nächster Umgebung bzw. nach der Sanierungsmaßnahme durch Kunstnester für Ersatz sorgen.

 

Was empfiehlt Fr. Dr. Zobel, wenn man eine Renovierung plant? „Beobachten Sie die Umgebung Ihres Hauses im Sommer. Nehmen Sie im Umfeld beispielsweise Schwalben oder Fledermäuse wahr, dann sollten Sie ehrenamtliche Fachleute der Naturschutzverbände oder die Kreis-Naturschutzbehörde einschalten, um sich beraten zu lassen und im Bedarfsfall gemeinsam nach praktikablen Lösungen zu suchen.“

 Nahezu alle offenen Fragen klärt kurz und verständlich auch die Homepage www.artenschutz-am-haus.de, die während eines von Frau Dr. Zobel im Landkreis Tübingen betreuten zweijährigen Projektes entstanden ist.

(Bericht A. Wirtherle, November 2016))

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Vortrag "Artenschutz am Haus"
Den Vortrag von Diplom-Biologin Dr. Marion Zobel in Bildform können sie hier herunterladen
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Blühwunder pünktlich zu Weihnachten

Anfang Dezember Barbarazweige schneiden / Zahlreiche Gehölze zur Auswahl

Wer zu Weihnachten ein Blütenwunder erleben möchte, sollte zum Barbaratag am 4. Dezember im Garten ein paar Zweige vom Kirschbaum schneiden und in eine Vase stellen. Mit genügend frischem Wasser öffnen sich die Blütenknospen dann genau am Weihnachtsmorgen. mehr


Vogelgrippe:Einseitige Ursachenforschung

 Viele Indizien sprechen bei Vogelgrippe für Hauptverbreitung durch Geflügelwirtschaft

 Das aktuelle Vogelgrippe-Virus fand seinen Weg wahrscheinlich über den Handel aus der Geflügelwirtschaft in China nach Europa - ohne die Hilfe von Wildvögeln. Das zuständige Friedrich-Loeffler-Institut ignoriert die Indizien jedoch.

30. November 2016 – Angesichts einer neuen kritischen Analyse zum derzeitigen Auftreten der Vogelgrippe und ihrer Verbreitung erneuert der NABU seine Kritik an der bislang einseitigen Ursachenforschung zur Ausbreitung der Geflügelpest. Eine Expertengruppe des Wissenschaftsforums Aviäre Influenza (WAI) hat das bisherige Ausbruchgeschehen in Europa detailliert dokumentiert. Diese Aufstellung geht weit über die aktuelle Risikoanalyse des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) hinaus. Anhand der aufgelisteten Indizien wird die Hypothese des FLI, dass das Vogelgrippe-Virus H5N8 allein durch Wildvögel verbreitet wird, kritisch hinterfragt. Zahlreiche Indizien sprechen vor allem für eine Verbreitung des Virus durch die Geflügelwirtschaft selbst. Der NABU fordert das FLI auf, diese Hinweise ernst zu nehmen und mit allen ihm als zuständiger Behörde zur Verfügung stehenden Mitteln zu prüfen.


Tiertransporte überprüfen

„Das FLI ignoriert bis heute sämtliche Indizien, die dafür sprechen, dass sich Geflügelbetriebe vor allem durch die Stoffströme der Geflügelwirtschaft selbst mit dem Vogelgrippe-Virus H5N8 infizieren. Die Ergebnisse legen nahe, dringend die Fahrtenbücher und GPS-Daten von Tiertransporten auszuwerten, um zu untersuchen, ob sich diese Routen mit Ausbruchsherden der Krankheit decken“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Stattdessen verweist das Institut ausschließlich auf Wildvögel als Überträger. „Diese Scheuklappen-Mentalität erklärt, warum auch zehn Jahre nach dem ersten großen Vogelgrippe-Ausbruch in Deutschland tatsächliche Eintragsquellen nie identifiziert wurden und zukünftige Ausbrüche nicht verhindert werden können.“


Küken in Bodenhaltung - Foto: Volker Gehrmann

Küken in Bodenhaltung - Foto: Volker Gehrmann

So zeigt eine eingehende Gen-Analyse zwar – wie vom FLI betont – eine große Ähnlichkeit des aktuell grassierenden Virus mit einem im Juni 2016 an einem sibirischen See bei Wildvögeln gefundenen Virus. Sie widerlegt allerdings die Behauptung, dass das Virus über diese Wildvögel über weitere Stafetten nach Europa gelangt sein könnte, denn das Virus der sibirischen Wildvögel ist kein Vorläufer des aktuellen Virus in Europa, sondern hatte sich wenige Monate zuvor von einem gemeinsamen Vorläufervirus abgespalten, das in einem chinesischen Schlachthof entdeckt wurde. Zudem wurden laut der vorliegenden russischen Originalquelle alle Wildvögel dort tot aufgefunden, und nicht, wie vom FLI behauptet „gesund geschossen“. Für die Aussage des FLI, dass Wildvögel das Virus lange Zeit in sich tragen und dabei ansteckend seien ohne selber daran zu erkranken, fehlen Belege. Ohne diese Hilfsthese ist eine Verbringung des Virus durch Wildvögel über Kontinente hinweg aber nicht denkbar.


Welchen Weg nahm das Virus aus China?

„Sehr wahrscheinlich hat das aktuelle Virus daher seinen Weg direkt aus der Geflügelwirtschaft in China nach Europa gefunden – ohne die Hilfe von Wildvögeln, die niemals direkt von China nach Europa ziehen“, sagte NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. Da entsprechende Viren offenbar nicht täglich aus China importiert werden, wo sie sich beständig in der Geflügelwirtschaft halten, wäre hier nach einem Zufallsereignis zu suchen, zum Beispiel einem nicht ausreichend desinfizierten Transportstall beim Handel mit Geflügel.


Foto: Volker Gehrmann

Foto: Volker Gehrmann

Vermutlich bereits ab Mitte Oktober zirkulierte das Virus in Ost-Ungarn bereits in Geflügelhaltungen. Entdeckt wurde es in den Stallhaltungen allerdings erst Anfang November. Ungarische Geflügelexporte gehen zu 99 Prozent in nur drei Länder: Polen, Österreich und Deutschland. Genau hier wurden Anfang November die ersten an H5N8 gestorbenen Wildvögel, meist Reiherenten gefunden. Die Tatsache, dass diese Ausbruchherde meist in unmittelbarer Nähe großer Schlachthöfe oder an den vermuteten Routen und Rastplätzen von Lebendgeflügel-Transporten liegen, ruft dringend nach einer eingehenden Überprüfung aller Transporte zwischen betroffenen Betrieben und Schlachthöfen in den genannten Ländern.

Der wiederholte Beginn des Ausbruchsgeschehens Anfang November soll laut FLI die These stützen, dass in Europa überwinternde sibirische Zugvögel das Virus jedes Jahr wieder eintragen. Dazu stellt der NABU fest, dass sibirische Wasservögel bereits ab August in Europa eintreffen, sicherlich aber nicht erst ab Anfang November. Plausibler wäre eher ein Zusammenhang mit der zu dieser Jahreszeit erhöhten Zahl von Martins- und Weihnachtsgänsen oder Erntedank-Truthähnen, die zu den wenigen Großschlachthöfen transportiert werden müssen.


Quelle Wildvögel oder Fleischmehlfabrik?

Nachdenklich stimmt auch der H5N8-Fall in einer großen deutschen Massenhaltung: In einem Putenbetrieb in Barßel im Landkreis Cloppenburg (Niedersachsen) mussten 16.000 Puten gekeult werden, dazu 92.000 Hühner in benachbarten Betrieben. Weit und breit wurde in der Umgebung bisher kein infizierter Wildvogel entdeckt. Auffällig ist, dass dieser Betrieb bereits beim vergangenen Ausbruch 2014 betroffen war. Zudem liegt er nur wenige Kilometer von einer großen Fleischmehlfabrik entfernt. Wie wahrscheinlich ist bei dieser Indizienlage, dass sich die abgeschlossene Massenhaltung über den Kot von Wildvögeln angesteckt hat?

Der NABU fordert Bund und Länder auf, die Suche nach den Haupt-Übertragungswegen dringend auch auf die Transporte und Stoffströme der Geflügelindustrie auszudehnen. Achselzuckend nur auf die Zugvögel als angeblich unvermeidliche Infektionsherde zu verweisen, verspielt die Chance, zukünftigen Ausbrüchen endlich einen Riegel vorzuschieben, und damit die überproportionale Belastung von Freiland-Geflügelhaltungen durch die wiederkehrende Stallpflicht zu vermeiden und gleichzeitig auch die Gefahr für Wildvögel zu bannen.


TV-Tipp: "Lebensraum Kirchturm" im SWR

 

SWR-Team dreht in Süßen

 

Schon über 70 NABU-Gruppen im Land unterstützen die Aktion "Lebensraum Kirchturm" und haben insgesamt über 200 Kirchen dafür ausgezeichnet, dass sie Lebensraum für viele seltene Tiere wie Fledermäuse oder Schleiereulen bieten. mehr

 

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Johannes Enssle ist neuer Vorsitzender....

.... des NABU-Landesverbandes Baden-Württemberg. Der 34-Jährige wurde am Samstag (19.11.) im Rahmen der NABU-Landesvertreterversammlung in Stuttgart von den Delegierten der NABU-Gruppen gewählt. Enssle tritt die Nachfolge von Andre Baumann an, der im Mai als Staatssekretär ins Umweltministerium gewechselt und daher aus dem Amt ausgeschieden war.

„Ich freue mich sehr über das Mandat und bedanke mich für das große Vertrauen, das die NABU-Delegierten in mich setzen“, sagte Enssle nach der Wahl. „Gemeinsam mit der großen NABU-Familie werde ich mit voller Kraft den erfolgreichen Weg meines Vorgängers Andre Baumann fortführen und weiter für die zentralen Ziele des NABU kämpfen: für mehr lebendige Vielfalt in Wäldern und Mooren, auf Äckern, Wiesen und Weiden. Für eine naturverträgliche Energiewende, für das europäische Naturschutzprogramm Natura 2000 und für ein Baden-Württemberg, in dem der Naturschutz einen hohen Stellenwert hat.“

 

Mehr über Johannes Ennsle und seine Pläne

>>hier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

- Foto: Bianka Lungwitz


Geflügelpest

Wer steckt hier wen an?

Einseitige Ursachenforschung zur Verbreitung der Vogelgrippe

Der NABU warnt davor, sich bei der Bekämpfung der Vogelgrippe ausschließlich auf Wildvögel zu konzentrieren. "Die Ursachenforschung zur Ausbreitung der Geflügelpest darf nicht in eine Sackgasse geraten", fordert NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. mehr

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Autoindustrie trickst beim Spritverbrauch

Kraftfahrtbundesamt sollte Automodellen die Typzulassung entziehen

Eine aktuelle Studie des ICCT (International Council on Clean Transportation) offenbart eine gigantische Spritverbrauchstrickserei der Autoindustrie: Im Schnitt verbrauchen die Pkw auf der Straße 42 Prozent mehr als unter Testbedingungen. mehr

 

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Der Waldkauz - Vogel des Jahres 2017

 

 

Das Weibchen brütet allein. Nur in den Brutpausen und zur Nahrungsübergabe kommt das Männchen hinzu.

 

 

 

 

 

 

- Foto: Dieter Hopf

Stellvertretend für alle Eulenarten hat der NABU den Waldkauz zum Vogel des Jahres 2017 gewählt. Mit ihm soll für den Erhalt alter Bäume im Wald oder in Parks geworben und eine breite Öffentlichkeit für die Bedürfnisse höhlenbewohnender Tiere sensibilisiert werden. Eulen sind unverzichtbare Bestandteile der Artenvielfalt. Wir sollten alles dafür tun, sie zu schützen, ihre Bestände zu stabilisieren oder gar zu vermehren. >> Mehr


Reinigung der Fledermauskästen

Fledermäuse, Siebenschläfer und Waldbaumläufer

Aufmerksame Spaziergänger haben sie sicher längst entdeckt: Rund um die Burg Steinsberg sind viele hohe Bäume ausgestattet mit schwarzen Kästen, zu flach für Vogelbrut:  Fledermauskästen.

Zur Reinigung dieser Quartiere arbeiteten jetzt Fachleute der Stadtverwaltung Hand in Hand mit dem Nabu Sinsheim, um dabei  auch eine Bestandsaufnahme der Belegung durchzuführen.

Nur wenige Kästen boten die typischen Hinweise auf Fledermäuse: mäusekotähnliche Hinterlassenschaften, die aber beim Zerreiben trocken zerfallen. Da die Quartiere erst vor zwei Jahren angebracht wurden war dies keine Überraschung, es dauert oft mehrerer Jahre bis die sehr standortreuen Fledermäuse neue Kästen akzeptieren. Gut möglich, dass  es in den Spalten der Burgmauern auch einige andere attraktive Unterschlupfmöglichkeiten gibt, die aber im Zuge der Mauerwerksanierung abnehmen werden.

Einige Hinweise gab es auf Belegung der Kästen durch Siebenschläfer und auch durch Waldbaumläufer. Diese kleinen Vögel  laufen spiralförmig die Stämme hoch und können mit ihrem langen, gebogenen Schnabel Insekten unter der Rinde hervorziehen. Während Waldbaumläufer das ganze Jahr in unseren Wäldern zu finden sind und die Kästen vermutlich im Winter als Unterschlupf nutzen,  ziehen sich Fledermäuse jetzt in ihre Winterquartiere, feuchte frostfreie Keller und Höhlen, zurück. Die  lautlosen Nachtjäger können wir also erst wieder im Frühjahr beobachten.