Sie haben einen Wildvogel gefunden und wissen nicht, ob er Hilfe benötigt? Diese Erste-Hilfe-Anleitung hilft Ihnen dabei, die Situation richtig einzuschätzen und zunächst angemessen zu handeln.
Bitte nicht vorschnell einsammeln
Bevor Sie einen jungen Vogel mitnehmen, prüfen Sie bitte zunächst, ob es sich um einen sogenannten Ästling handelt.
Ästlinge sind bereits weitgehend befiederte Jungvögel, die ihr Nest verlassen haben, obwohl sie noch nicht vollständig fliegen können. Dazu gehören beispielsweise junge Amseln, Meisen und andere Singvögel. Sie sitzen häufig am Boden, auf niedrigen Ästen oder in einem Gebüsch, hüpfen umher und können oft bereits kurze Strecken flattern.
Das ist in der Regel völlig normal. Die Eltern befinden sich meist in der Nähe und versorgen ihre Jungen weiterhin mit Futter. Dass keine Altvögel zu sehen sind, bedeutet nicht automatisch, dass der Jungvogel verlassen wurde. Häufig halten sich die Eltern zurück, solange Menschen in der Nähe sind.
Bitte nehmen Sie einen unverletzten Ästling deshalb nicht mit.
Beobachten Sie die Situation aus größerer Entfernung für mindestens eine Stunde. Halten sich Katzen, Hunde oder andere Gefahren in der Nähe auf, können Sie den Jungvogel vorsichtig einige Meter weiter in ein dichtes Gebüsch oder auf einen geschützten, niedrigen Ast setzen. Die Eltern finden ihn anhand seiner Bettelrufe wieder.
Eine Berührung durch Menschen führt nicht dazu, dass die Eltern ihren Jungvogel verstoßen.
Wann braucht ein Jungvogel Hilfe?
Ein Jungvogel benötigt insbesondere dann Hilfe, wenn er
Ein sehr junger, noch unbefiederter oder kaum befiederter Vogel wird als Nestling bezeichnet.
Können Sie das Nest sicher erreichen, setzen Sie den Vogel vorsichtig zurück. Die Vogeleltern nehmen ihre Jungen auch nach einer Berührung durch Menschen wieder an.
Ist das Nest nicht auffindbar oder nicht erreichbar, sichern Sie den Nestling und nehmen Sie möglichst schnell Kontakt zu einer fachkundigen Wildvogelhilfe auf.
Erste Sicherung eines hilfsbedürftigen Vogels
Setzen Sie den Vogel vorsichtig in einen kleinen, verschließbaren Karton mit Luftlöchern. Legen Sie den Boden mit Küchenpapier oder einem glatten, weichen Tuch aus.
Verwenden Sie keine Watte und keine stark ausgefransten Handtücher. Die Füße und Krallen des Vogels können sich darin verfangen.
Stellen Sie den Karton an einen ruhigen, dunklen und vor Haustieren geschützten Ort. Sehr junge oder ausgekühlte Nestlinge benötigen Wärme. Eine handwarme Wärmflasche oder ein Wärmekissen kann unter eine Hälfte des Kartons gelegt werden. So kann der Vogel bei Bedarf in einen etwas kühleren Bereich ausweichen.
Bitte geben Sie zunächst weder Futter noch Wasser.
Ungeeignetes Futter kann schwere Verdauungs- und Entwicklungsstörungen verursachen. Wasser darf niemals mit einer Spritze, Pipette oder direkt in den geöffneten Schnabel gegeben werden.
Die Atemöffnung liegt bei Vögeln unmittelbar hinter der Zunge. Gelangt Flüssigkeit in die Luftröhre, kann der Vogel daran ersticken oder eine schwere Lungenentzündung entwickeln.
Sonderfall Mauersegler
Ein Mauersegler, der am Boden sitzt oder liegt, benötigt grundsätzlich Hilfe.
Mauersegler halten sich fast ihr gesamtes Leben in der Luft auf. Ein am Boden gefundener Mauersegler darf daher nicht einfach sich selbst überlassen werden.
Bitte beachten Sie:
Auch ein äußerlich unverletzt wirkender Mauersegler kann geschwächt, unterernährt oder verletzt sein. Schäden an den Flügeln und Federn sind für ungeübte Personen häufig nicht zu erkennen.
Schnelle fachkundige Hilfe erhalten Sie in der bundesweit tätigen Facebook-Gruppe „Mauersegler-Notfälle“. Stellen Sie dort möglichst ein scharfes Foto des Vogels ein und geben Sie den Fundort, die Fundumstände und – sofern möglich – das Gewicht des Vogels an.
Die Gruppe unterstützt bei der Einschätzung des Notfalls, bei der Erstversorgung und bei der Suche nach einer mauerseglerspezialisierten Pflegestelle.
Hilfe bei anderen Wildvögeln
Für andere Wildvögel können Sie sich an eine örtliche Wildvogelhilfe oder Wildtierstation wenden.
Unterstützung bei der Einschätzung des Vogels und bei der Suche nach einer geeigneten Pflegestelle erhalten Sie auch in der bundesweit tätigen Facebook-Gruppe „Wildvogelhilfe Notfälle – NEU“.
Stellen Sie dort möglichst
ein.
Eine Anfrage in einer Facebook-Gruppe ersetzt bei schweren Verletzungen keine tierärztliche Untersuchung.
Wichtig nach einem Katzenkontakt
Hat eine Katze den Vogel im Maul gehabt oder mit den Krallen erwischt, handelt es sich immer um einen dringenden Notfall – auch wenn äußerlich keine Verletzung zu erkennen ist.
Bereits kleinste Biss- oder Krallenverletzungen können gefährliche Bakterien übertragen. Der Vogel muss deshalb möglichst schnell fachkundig behandelt werden.
Sichern Sie ihn in einem Karton, halten Sie ihn ruhig und nehmen Sie umgehend Kontakt zu einer Wildvogelhilfe oder einer vogelkundigen Tierarztpraxis auf.
Bitte beachten Sie
Eine erfolgreiche Versorgung und Aufzucht von Wildvögeln erfordert Fachwissen, geeignetes Futter und viel Erfahrung. Versuchen Sie deshalb bitte nicht, einen Wildvogel ohne fachkundige Anleitung selbst aufzuziehen.
Das Wichtigste ist zunächst:
Sichern, warm und ruhig unterbringen, nicht füttern, kein Wasser eingeben und schnell fachkundige Hilfe suchen.
25 % Rabatt auf Schwegler-Produkte
NABU-Gruppen können bei der Firma Schwegler 25 % Rabatt auf das gesamte Sortiment erhalten. Voraussetzung ist ein eigener
Kundenzugang im Schwegler-Shop. Der Rabatt wird anschließend mit der Kundennummer verknüpft.
Online-Fortbildung „Altbaumschnitt“ am 7. Juli
Der NABU-Landesverband bietet am 07.07. um 18:30 Uhr eine Online-Sofa-Akademie zum Thema Altbaumschnitt und Kronenverjüngung an.
Neben fachlichen Informationen gibt es Gelegenheit zum Austausch mit Expertin Gesine Langlotz.
NABU-Sommerakademie in Bad Boll (4.–5. Juli)
Im Rahmen der Sommerakademie findet ein Workshop zum Thema „Artenschutz am Gebäude“ statt. Neben fachlichen Grundlagen sind
praktische Übungen sowie eine Fledermaus-Exkursion geplant. Anmeldeschluss ist der 11. Juni.